Weltmeisterin im Super G

Dass dieser Hang etwas Besonderes ist, wusste ich. Ich bin meine ersten Europacup Rennen auf dieser Strecke (Streckenname) gefahren. Von Beginn an hat es mir gut gefallen mit den vielen Übergängen, die man genau fahren muss um schnell zu sein. In den letzten Jahren war es jedoch so, dass es in der Abfahrt selten zu guten Ergebnissen gereicht hat. Im Super G hingegen waren immer Top Ergebnisse dabei. Auch bei der Generalprobe von 2 Jahren schaute ein 6 Platz für mich raus. Damals waren 1-2 kleine „Rutscher“ und Fehler dabei. Dieses Mal gelang mir aber ein Lauf, der für mich fast perfekt war. Dass es ausgerechnet bei der WM klappt, ist natürlich der Hammer!

img_4930Die Tage vor der WM in St. Moritz habe ich mich mit meinem Team in Saalbach/Hinterglemm trainiert. Es waren beste Bedingungen, nicht so aggressiv wie ich mir die Rennen in St. Moritz vorgestellt habe – aber egal Hauptsache – ich bekomme ein gutes Gefühl und ein gutes Timing am Schwungansatz. Gemeinsam mit dem kanadischen Herrenteam wurde Super G trainiert. Von Beginn an bin ich gut ins Fahren gekommen und konnte mich von Lauf zu Lauf steigern und immer direktere und frechere Linien ausprobierte. Am letzten Tag konnte ich dies gleich bei der ersten Fahrt umsetzen und wie wir alles wissen, muss es beim Super G bei der ersten Fahrt passen. Es fiel mir auch überhaupt nicht schwer diese enge Linie zu fahren, es ging mehr oder weniger von selbst und ich musste nicht viel darüber nachdenken.Am Start habe ich mir immer vorgesagt:“ Vorfahren und auf den Aussenski draufgehen!“ Da es beim Training damit gut funktionierte, dachte ich mir, ich versuch es beim Rennen auf die gleiche Art und Weiße.

In St. Moritz angekommen musste das erste Abfahrtstraining wegen zu viel Neuschnee abgesagt werden. Die Piste sah katastrophal aus, nachdem mit schweren Gerät der Neuschnee entfernt wurde. Ob sie bis morgen eine gute Piste für den Super G herbringen? Keine Ahnung, nicht zu viele Gedanken darüber machen und abwarten, was der morgige Tag bringt.

ALPINE SKIING - FIS Ski WC St. Moritz

Mein Moto war, das Ganze wie eine Weltcupwoche zu sehen und mich vom ganzen Rummel nicht rausbringen zu lassen. Aufs Skifahren konzentrieren, mein Bestes Skifahren so wie in Saalbach zu zeigen, dann wird schon was Gutes dabei rauskommen.

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Der Pressetermin im Tirolberg störte mich da auch nicht. -Gehört einfach dazu bei so einem großen Event. _ Die Augen waren sowieso auf andere gerichtet wie Lara Gut, Tina Weirather, Viktoria Rebensburg, Sofia Goggia usw.

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Am Renntag war das Wetter perfekt und auch der Rennhang in einem super Zustand, gegen jeder Erwartung nach dem abgesagten Abfahrtstraining. Bei der Besichtigung dachte ich mir, hmm die Übergänge sind ähnlich gesetzt, wie wir es letzte Woche trainiert haben. Ich war selten so schnell mit dem Besichtigen fertig und auch so überzeugt, wo und wie ich alles fahren werde. Im Nachhinein gesehen, war es bei meinem ersten Podestplatz in Cortina sehr ähnlich. Zum Glück ist mir dies erst danach bewusst geworden, sonst wäre ich bestimmt img_4972-1nervös geworden. Beim Interview nach der Besichtigung wurde ich wie immer über den Kurs usw. gefragt und warum das heute mein großer Tag wird. Meine Antwort: weil ich einfach gut Skifahren werde.

Dass ich danach erst gar nicht den Einfahrlauf zum Aufwärmen finden konnte, war wieder mal typisch –Ich-. Aber nicht einmal das hat mich aus der Ruhe gebracht. Ist doch egal, hab ich dann nicht soviel Zeit zum Nachdenken, wenn ich länger brauche zum Einfahren und Aufwärmen.

Alpine Skiing - FIS Alpine Skiing World Championships St. Moritz - Women's Super GUnd so war es dann auch. Ich war nur knapp 20min im Teamhospitality um mich umzuziehen und mein Knie gut aufzuwärmen. Gemeinsam mit Tamara bin ich dann zum Start gefahren. Es war ungewöhnlich ruhig am Lift, dass wir mal nix zum Reden haben gibt es ganz selten. Danach lief alles recht schnell ab, die Nummer 1 im TV angeschaut, ein paar Schwünge von der Stephi Venier und dann stand ich schon bald selbst am Start vom WM-Super G. Knapp eine Minute lang sagte ich mir immer wieder vor: „Buckerle“ machen, vorfahren und draufgehen. Dies konnte ich dann super umsetzten und zu meiner eigenen großen img_5537Überraschung leuchtete es im Ziel grün auf. Zum ersten Mal in dieser Saison und das, obwohl Lara und Tina vor mir gestartet sind. Ein Wahnsinns-gefühl kann ich euch sagen, da sind meine Emotionen nur so rausgeschossen aus mir im Ziel. Als ich zum Leaderboard kam, war ich richtig leer, körperlich und mental.

Da saß ich nun am Boden, hinter mir die rote Wand, wo jeder stehen möchte und vor mir der Fernseher, wo ich einer Läuferin nach 16508180_1363650777039799_2413561313582542125_nder anderen zuschaute, ob sie schneller ist als ich. Normal habe ich immer einen Spruch auf Lager, aber in den nächsten 45 min kamen mir nicht viel Wörter und schon gar keine Sprüche über
die Lippen. So nervös war ich seit der WM-Abfahrtin Beaver Creek nicht mehr. Als dann endlich die Christine Scheyer mit Starnummer 30 im Ziel war, konnte ich richtig durchschnaufen. Ich konnte es selbst gar nicht aussprechen, Weltmeisterin im Super G!

 

Das ganze Team hat sich mit mir gefreut und dass wiederum hat mich mega gefreut! Auch wenn Skifahren ein Einzelsport ist, man gewinnt zusammen und verliert zusammen. Ohne einem starken Team hinter dir, wirst du nur schwer etwas gewinnen. Ohne Servicemann keine schnellen Ski, ohne Trainer kein gutes Schneetraining und Tipps die mir weiterhelfen, ohne Physio‘s kein schmerzfreies Knie nach der Verletzung, ohne Dok (Dr. Fink und seinem Team) kein perfekt „repariertes“ Knie, ohne Teamkolleginnen kein gegenseitiges Pushen und vor allem nur der halbe Spaß 😉

 

Die Draufgabe an diesem genialen Tag in St. Moritz?

Dass meine Eltern vor Ort das Rennen gesehen haben. Es gibt nicht viele Rennen, wo es sich arbeitstechnisch bei ihnen ausgegangen ist, dass sie bei Rennen vor Ort zuschauen konnten. Ausgerechnet am Tag meines größten Erfolges waren sie aber live dabei und ich freu mich sehr darüber. Ihnen habe ich sehr viel zu verdanken und mit diesem Erfolg kann ich ein bisschen was zurückgeben.

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Ein kleiner Wermutstropfen war an diesem Tag dann doch dabei. Mein Fanclub der mich bei alle guten und vor allem bei schlechten Rennen und Jahren unterstützt hat war nicht in St. Moritz. Euch möchte ich auch danke sagen für eure Treue, eure Unterstützung und den Rückhalt den ihr mir gebt!!

 

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Hier noch Bilder von Gold-Tag

(c)gepa-pictures.com

(c)nici schmidhofer

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