Was für ein Saisonstart

 

Wie ich nach Lake Louise gekommen bin, hätte ich mir nie erträumt so in die Saison zu starten. Nach den guten Trainingstagen in Copper Mountain, wo ich die Materialabstimmungen gleich einmal gefunden hatte, bin ich mit gutem Gefühl nach Lake Louise angereist. Die Abstimmung und das Gefühl für die  beiden Abfahrten waren etwas besser als für den Super-G. Die wenigen SG-Trainingstage im Herbst habe ich schon gemerkt. Die Schneeverhältnisse in Europa waren in dieser Vorbereitung ja besonders schwierig.

Nach dem ersten Abfahrts-Training in Lake Louise habe ich gemerkt, dass mir die Startkurve in diesem Jahr besser liegt als in den Jahren zuvor und auch die Sprünge um einiges kürzer sind. Dieser Umstand machte mich für die weiteren Trainingsläufe sehr zuversichtlich. Vom zweiten Training an war der Speed immer gut und ich war sehr froh, dass es beim Material nicht viel zu ändern gab.

 

 

Die Sichtverhältnisse waren immer etwas schwierig und die Piste etwas unruhiger als die Jahre zuvor. Als ich dann noch als Schnellste das Abschlusstraining beendete, habe ich mich unerwartet in eine Favoritenrolle gefahren. Für mich war es eine ganz neue Erfahrung mit einer Trainingsbestzeit ins Rennen zu gehen. Auf der einen Seite war ich froh einen gute Basis gefunden zu haben, auf der anderen Seite wird man von den Medien und Konkurrentinnen mehr beachtet. Der Erwartungsdruck steigt !

 

Jetzt einfach nur die Nerven behalten, locker bleiben und die Trainingsleistung umsetzten. Zum Start hin wurde mein Puls immer höher und höher. Im Startbereich haben mich Ursi (Physio) und Andi (Konditrainer) dann aber perfekt mit Scherzen und blöden Sprüche runtergeholt. Im Starthaus noch ein kurzer Test wie sich die Skianfühlen und ich muss euch sagen,  DIE waren der Hammer. Berni  (Servicemann)hat sie wieder mal perfekt gerichtet und jetzt liegt es nur mehr an mir. Ein letzter Blick auf die ersten Tore und raus geht´s mit dem Gedanken „Im schlimmsten Fall gewinnst du heute!“.

 

Während der Fahrt hätte ich nicht gedacht, dass es reichen wird! Die Sicht war um einiges schlechter als beim Abschlusstraining und ich konnte nicht so eine tiefe Position wie am Vortag fahren. Ich dachte nur, hoffentlich haben die anderen auch nicht soviel gesehen. Als ich durch das Ziel gefahren bin und es grün aufleuchtete, es war einfach MEGA!

 

Kurz war einmal Leere im Kopf und gleich darauf eine wahnsinnige Erleichterung die IMG_1540Trainingsleistung umgesetzt zu haben. Das Warten am Leaderboard bis wirklich alle im Ziel waren, hat mich nochmal ein bisschen nervös gemacht. Die Christl (Scheyer)war oben sehr schnell unterwegs und da wurde mir nochmal richtig warm! Als dann fest stand, dass ich mein erstes Weltcuprennen gewonnen habe, war es einfach der toll! Emotional kaum zu beschreiben, was in mir vorgegangen ist.

 

 

 

 

Viele dachten, dass es am zweiten Tag leichter ist, aber ich kann euch sagen, so war es auf keinen Fall. Nach dem Erfolg am Freitag will man natürlich noch einen draufsetzten. 2 Rennen hintereinander zu gewinnen ist keine Selbstverständlichkeit. Die Nervosität war eine ganz andere als am Tag zuvor. Am Start sind mir die Beine fast über den Haufen gegangen so haben die gezittert. Beim 10 Sekunden Pip´s habe ich mir gedacht, „ Nici, jetzt bist viermal gut runtergefahren, wirst es um Gotteswillen ein fünftes Mal auch noch schaffen.“ Die Bedingungen waren um einiges besser als beim Rennen am Vortag. ALPINE SKIING - FIS WC Lake LouiseBeim Fahren habe ich mir gedacht, ahh das geht sich alles etwas zu schön und leicht aus, ob das reichen wird…? Dann schwinge ich im Ziel ab und auf der Tafel steht in grün -0,47 -unfassbar!!! Super happy und erleichtert ging´s wieder zum Leaderbord. Als die Conny dann auf der Strecke war, wurde ich nochmal etwas nervös! Bis zum Coachescorner hatte sie mich voll im Griff, doch mit meiner fast schon perfekten Fahrt im Mittelteil konnte ich sie auf Distanz halten. Doppelsieg für Österreich, was für ein Ding! Damit hatte vor dem Wochenende kaum jemand gerechnet.

ALPINE SKIING - FIS WC Lake Louise

 

IMG_1612

2 Siege in 24 Stunden ist der Hammer. Sooooo lange hat es gedauert bis ich ein Rennen gewinnen konnte und jetzt sind es gleich 2 Weltcuprennen – und das auch noch in Lake Louise. Die letzte Österreicherin die es geschafft hat war Renate Götschl 1998 . Und jetzt in einem Satz mit ihr genannt zu werden ist schon ziemlich cool.

 

 

 

Zum Abschluss dieses Wochenendes stand noch ein Super-G am Programm. Durch die 2 Siege ist die Erwartungshaltung von außen und mir selbst um einiges gestiegen. Eine ganz neue Ausgangslage für mich nach der Abfahrt nicht im Super-G Rennen noch das Wochenende retten zu müssen. Eine gewisse Lockerheit hatte sich nach den Abfahrtsrennen schon eingestellt, alles was jetzt noch kommt ist Draufgabe und mein Ziel die TOP 5.

Dieses Ziel konnte ich leider nicht erreichen. Schon am Start konnte ich nicht mein Können auspacken. Keine Explosivität und die Stockschübe nicht so gut getroffen, wie ich es eigentlich kann. Schon in den ersten Toren war mein Speed nicht so gut und dann habe ich die Fischnetzkurve auch noch „vergeigt“. Im letzten Teil des Rennen konnte ich zwar noch eine gute Fahrt hinlegen aber die Zeit war da schon weg. Am Ende wurde es ein 11.Platz, nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte, aber der Rückstand auf Platz 2 war mit 0,30 Sek überschaubar.

 

Ich weiß, dass ich gut dabei bin und dieses gute Gefühl werde ich jetzt für die nächsten Rennen mitnehmen

 

(c) nici schmidhofer

Fotos (c) Gepa-Pictures.com

 

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